Pfarre Allerheiligen
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Bete und Arbeite

FischerEin alter Fischer fährt mit seinem Boot hinaus auf den See. Mit im Boot ist ein Freund von ihm, der im Leben oft enttäuscht wurde und deshalb verbittert ist. Auf den beiden Rudern des Bootes steht jeweils ein Wort: „Bete“ und „Arbeite“. Da beginnt sich der alte Freund über den Fischer lustig zu machen: Was sollen denn diese frommen Sprüche, du weißt doch selber, dass Beten keinen Sinn hat und auch der Einsatz für eine bessere Welt nichts bringt. Man kann ja doch nichts ändern. Der alte Fischer sagt gar nichts, lächelt nur, klappt ein Ruder ein und rudert nur noch mit dem andern. Was passiert: Das Boot dreht sich im Kreis. Dann wechselt der Fischer die Ruder. Wiederum dreht sich das Boot im Kreis. Da meint der erfahrene Fischer: Nur mit beiden Rudern kommt man ans Ziel.

Mich fasziniert, wie der alte Fischer seinem enttäuschten Freund antwortet und Zeugnis gibt, dass es einen Sinn hat, sich durch Gebet

und aktives Handeln für eine bessere Welt einzusetzen.
Was lösen bei Ihnen die vielen derzeitigen Meldungen in den Nachrichten aus: Korruption, große Geldflüsse in private Taschen, undurchschaubare Macht- und Finanzspiele, Krise der Kirche ... Vieles dreht sich im Kreis. Reagieren Sie darauf wie der alte Freund des Fischers und meinen „Man kann ja doch nichts ändern“ oder wie der Fischer mit seinen beiden Rudern.

 

Ruder Gebet
Am 13. 11. 2011 wurde der Vorarlberger Carl Lampert in Dornbirn selig gesprochen. Als Stellvertreter (Provikar) von Bischof Paulus Rusch hat er sich  mehrfach dagegen gewehrt, dass die Nazis die Kirche Tirols verfolgen und ihr Wirken behindern.
Im Mai 1940 protestierte Provikar Lampert bei Gauleiter Hofer wegen der bevorstehenden Schließung des Klosters der ewigen Anbetung. Da fragte ihn Gauleiter Hofer: „Was tun denn diese blöden Weiber überhaupt?“ Lamperts Antwort: „Sie tun das, was wir zwei zu wenig tun: beten.“
Ich bin froh, dass verschiedene Menschen für die vielen Anliegen der Welt beten. Gerade Großeltern beten oft stellvertretend für ihre Kinder und Enkelkinder. Warum sollen nicht einmal Enkelkinder und Kinder stellvertretend für die kranken Großeltern den Gottesdienst besuchen? Wenn ich für jemanden bete, dann begegne ich ihm anders.
Gerade der Advent ist für viele Menschen eine Zeit, in der sie den Blick auf Wesentliches und die Wurzeln unseres Lebens richten. Sie ahnen: Das Ruder „Beten“, das ins Wasser der Ewigkeit eintaucht, hilft, dass wir uns in unserer so schnellen Welt nicht im Kreis drehen.

 

Ruder Arbeit
Ich habe in meiner schönen Aufgabe als Pfarrer mit vielen Menschen zu tun, die ehrenamtlich Zeit und Talente der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Sie tun mehr als ihre Pflicht. „Leidenschaftliche Christusliebe verkürzt die Menschlichkeit nicht, im Gegenteil, sie dynamisiert diese.“ (Bischof Manfred Scheuer) Vergelt‘s Gott dafür.

 

Ich wünsche euch allen eine gute Advent- und Weihnachtszeit

Eurer Pfarrer Franz Troyer